Eigenerzeugung und Nutzung erneuerbarer Energien im Betrieb
Die Eigenerzeugung erneuerbarer Energien bietet Unternehmen eine zukunftssichere Möglichkeit, ihre Energieversorgung nachhaltig zu gestalten. Ob Photovoltaik auf dem Dach, Windkraft, Wärmepumpen oder Geothermie – verschiedene Technologien machen Betriebe unabhängiger von steigenden Energie- und CO2-Preisen. Gleichzeitig lassen sich Betriebskosten senken, Treibhausgasemissionen reduzieren und die eigene Klimabilanz verbessern. Attraktive Förderprogramme und Beratungsangebote unterstützen Unternehmen dabei, passende Lösungen wirtschaftlich umzusetzen.
Erneuerbare Energien erzeugen und für den Betrieb nutzen
- Der Eigenerzeugung von erneuerbarer Energie zur Eigennutzung im Betrieb sollte ein detailliertes Datenmonitoring vorausgehen: Wie viel Energie beziehungsweise Wärme wird wann in welcher Form und Temperatur benötigt?
- Die Wirtschaftlichkeit einer Photovoltaik-Anlage hängt maßgeblich davon ab, wie viel vom erzeugten Strom der Betrieb selbst verbrauchen kann. Das Unternehmen sollte die Anlage daher genau auf seinen Lastgang auslegen.
- Trotz der höheren Investitionskosten sind Wärmepumpen den Gasheizungen wegen der weit niedrigeren Betriebskosten wirtschaftlich meist überlegen. Zudem geben sie den Unternehmen Kostensicherheit – steigende CO2-Preise und Gas-Netzentgelte betreffen sie damit nicht mehr.
- In Schleswig-Holstein ist Photovoltaik Pflicht, wenn ein Gebäude neu errichtet wird. Gleiches gilt für bestehende Industrie- und Gewerbegebäude, wenn mehr als zehn Prozent ihrer Dachfläche renoviert wird.
- Ein Batteriespeicher ist auf die Anlagen zur Erzeugung der Energie und den eigenen Energiebedarf im Betrieb zugeschnitten. Unternehmen erhöhen so ihre Flexibilität und machen sich von naturgegebenen Schwankungen in der Erzeugung von Energie unabhängiger.
- Bezüglich des regulativen Rahmens und den Möglichkeiten zu attraktiven Förderungen des Umstiegs auf erneuerbare Energien gibt es gute Beratungsangebote.
Praxisbeispiele
... von kleinen und mittleren Unternehmen aus Schleswig-Holstein zeigen, wie die Eigenerzeugung von erneuerbaren Energien langfristig zur Senkung der Energiekosten geführt hat:
Eine der größten Grundwasser-Geothermie-Anlagen Norddeutschlands macht das Unternehmen BOLTZE an seinem neuen Firmensitz in Braak unabhängig von einer externen Energieversorgung. Das Besondere: Die Anlage deckt sowohl den Wärme- als auch den Kältebedarf des rund 6.000 Quadratmeter großen Gebäudes. Übergeordnete Ziele des Neubaus bestanden in bester Wirtschaftlichkeit und Klimafreundlichkeit.
Die Wulff Med Tec GmbH setzt auf einen ganzheitlichen Ansatz, um die Energieautarkie des Unternehmens zu maximieren. Durch die vollständige Elektrifizierung des Unternehmens, Sektorenkopplung und die Eigenerzeugung von Ökostrom konnte der Matratzenhersteller einen Autarkiegrad von 52 % erreichen.
Die Oemeta Chemische Werke GmbH benötigt für die Lagerung und Weiterverarbeitung von Rohstoffen zur Herstellung von Kühlschmierstoffen Wärmeenergie, die bislang von einer Gastherme bereitgestellt wurde. Im Zuge der Ausrichtung des Unternehmens auf erneuerbare Energien und aufgrund der niedrigen erforderlichen Vorlauftemperatur entschied sich Oemeta für den Austausch der Gastherme gegen ein innovatives Heizsystem aus drei Wärmepumpen.
Fahrplan: Der Weg zur Photovoltaik-Anlage im Betrieb
Wie sollten Unternehmen vorgehen, wenn sie eine Photovoltaik-Anlagen installieren wollen?
- Am Anfang steht das Sammeln von Lastgang-Daten. Anhand dessen lässt sich abschätzen, ob eine Investition grundsätzlich sinnvoll ist – und wenn ja wie die Anlage beschaffen sein sollte.
- Mit diesen und weiteren Daten, etwa zu den Strompreisen, können die Betriebe die Wirtschaftlichkeit einer Investition kalkulieren. Dabei helfen unabhängige Photovoltaik-Berater und -Planer.
- Ist die Wirtschaftlichkeit gegeben, erfolgt die Planung der Anlage.
- Der Betrieb oder der beauftragte Dienstleister reicht die Planungsunterlagen beim lokalen Verteilnetzbetreiber ein, um zu klären, ob und wenn ja wie und wann ein Netzanschluss möglich ist.
- Der Netzbetreiber führt dann eine sogenannte Netzverträglichkeitsprüfung durch. In der Regel gibt er eine Einspeisezusage. Da die Verteilnetze in Schleswig-Holstein aber vielerorts bereits stark ausgelastet sind, verknüpfen die Netzbetreiber die Zusage nicht selten mit Bedingungen, etwa mit einer Begrenzung der Einspeiseleistung. Wegen der vielen Anfragen müssen sich Betriebe zudem auf längere Bearbeitungszeiten einstellen. Daher ist es ratsam, frühzeitig auf den zuständigen Netzbetreiber zuzugehen.
- Ist die Zusage erteilt, steht die Auswahl des Installateurs an.
- Dann erfolgen Bau und Inbetriebnahme der Anlage. Der Installateur kümmert sich auch darum, dass für die Anlagen die nötigen Zertifikate vorliegen und alle Normen erfüllt sind. Zudem meldet er die Anlage im Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur an.
- Nach Inbetriebnahme sollten die Erträge der Anlage lückenlos überwacht werden. Ein solche Monitoring hilft, mögliche Defekte frühzeitig zu erkennen. Die Anlagenbetreiber können diese Aufgabe einem Dienstleister übertragen.
Die Eigenverbrauchsquote ist die wichtigste Stellschraube für eine schnelle Amortisation!
Förderprogramme
Zinsgünstige Kredite für Photovoltaik-Anlagen:
Die KfW-Bank fördert Photovoltaik-Investitionen von Unternehmen jedweder Größe mit einem zinsgünstigen Kredit. Einen Tilgungszuschuss gewährt die KfW dabei aber nicht. Angesichts der hohen Strompreise und der guten Sonneneinstrahlungswerte amortisieren sich Photovoltaik-Anlagen für viele Betriebe jedoch auch ohne einen direkten Zuschuss relativ schnell. Das Land Schleswig-Holstein hat für ortsansässige KMU ein eigenes Batteriespeicher-Förderprogramm aufgesetzt. Nähere Informationen finden Sie hier.
So fördert der Staat Betriebe beim Umstieg auf eine Wärmepumpe:
Industrie- und Gewerbebetriebe können für bestehende Nichtwohngebäude im Rahmen der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) den KfW-Zuschuss 522 beanspruchen. Dabei übernimmt der Staat in der Grundförderung 30 Prozent der förderfähigen Kosten. Ein Bonus von fünf Prozent kommt hinzu, wenn die Wärmepumpe ein natürliches Kältemittel wie Propan (R290) enthält oder das Erdreich, Grund- oder Abwasser als Wärmequelle nutzt. Die Höhe der förderfähigen Kosten hängt von der Nettogrundfläche des Gebäudes ab. Zusätzlich zum Zuschuss können Betriebe einen zinsgünstigen Ergänzungskredit beantragen (KfW-Kredit 523). Schleswig-Holstein fördert über das Landesprogramm Wirtschaft 2021-2027 – Nachhaltige Wärmeversorgungssysteme den Neu- und Ausbau von Wärme- und Kältenetzen, sofern dort erneuerbare Energien eingesetzt werden – etwa mithilfe von Wärmepumpen.
Schauen Sie gern in unserem Förderwegweiser vorbei.
Fachunterlagen zum Download
Detaillierte Fachinformationen zu Schwerpunktthemen rund um das Klimaneutrale Wirtschaften finden Sie hier.
Online-Tools und Beratungsangebote
- Die EMAS-Plattform bietet einen schrittweisen Einstieg in das Umweltmanagementsystem EMAS: mit Teamarbeit via Aufgabenmanagement, digitalen Tools zur GAP-Analyse, Umweltbewertung und Datenerfassung sowie Export einer Umwelterklärung.
- Die Industrie- und Handelskammern in Schleswig- Holstein und die Handwerkskammer Flensburg bietet kostenfreie Erstberatungen, auch vor Ort im Unternehmen, zum Thema Energieeffizienz, Energieeinsparpotenzialen, Berichterstattung und nachhaltige Mobilität.
- Die Energieeffizienz-Expertenliste für Förderprogramme des Bundes ist ein bundesweites Verzeichnis nachweislich qualifizierter Fachkräfte für energieeffizientes und nachhaltiges Bauen und Sanieren. Bundesweit sind mehr als 20.000 Expertinnen und Experten registriert.
In unserer Übersicht finden Sie weitere Tools und Beratungsangebote. Sprechen Sie uns gern dazu an.
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