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Prozesswärme mit Erneuerbaren Energien

Klimafreundliche Technologien schaffen Kostensicherheit

KMU steht heute ein breites Angebot von Lösungen zur fossilfreien Erzeugung von Prozesswärme zur Verfügung, für jedes Temperaturniveau – von lauwarm bis höllisch heiß. Damit sichern sie sich gegen Preissprünge auf den fossilen Energiemärkten ab.

Das Wichtigste im Überblick:

Unternehmen erzeugen ihre Prozesswärme heute vor allem mit Erdgas – angesichts der geopolitischen Verwerfungen eine riskante Strategie, die zudem das Klima belastet. Doch es gibt Alternativen: Die heute verfügbaren Technologien für fossilfreie Prozesswärme eignen sich für nahezu alle Aufgaben. 

Kostensicherheit: Die Umstellung der Prozesswärme auf erneuerbare Energien schützt vor Preisausschlägen auf den Energiemärkten sowie vor steigenden CO2-Kosten und Gas-Netzentgelten. Unternehmen stärken damit ihre Resilienz.
Breites Spektrum: Der Markt bietet sehr vielfältige, praxiserprobte Lösungen für fossilfreie Prozesswärme, die so gut wie alle industriellen Bedarfe decken. Sie liefern ein sehr breites Temperaturspektrum, von unter 100 bis weit über 1.000 Grad Celsius.
Elektrifizierung: Strom ist in den meisten Fällen der beste Energieträger, um die Erzeugung von Prozesswärme kostensicher und klimafreundlich zu gestalten. Je nach Einsatzfeld stehen dafür verschiedene Technologien zur Verfügung. Wärmepumpen arbeiten besonders effizient, vor allem wenn sie Abwärme nutzen.
Alternativen: Energieträger wie Biomasse und perspektivisch Wasserstoff sowie Solarthermie ergänzen das Spektrum.
Förderung: Der Umstieg auf klimafreundliche Prozesswärme-Technologien erfordert in der Regel hohe Investitionen. Der Bund unterstützt Unternehmen deshalb mit einer üppigen Förderung: Bei kleinen Betrieben übernimmt er 60 Prozent der förderfähigen Kosten, bei Mittelständlern 50 Prozent.

Stoff trocknen, Brot backen, Stahl walzen – wer Güter produziert oder verarbeitet, braucht Prozesswärme. Und das nicht zu knapp: Rund zwei Drittel des Energiebedarfs von Industrie und Gewerbe in Deutschland entfallen auf Wärme, die für die Fertigung benötigt wird. In vielen Betrieben ist sie der mit Abstand größte Posten bei den Energiekosten. Bei der Erzeugung von Prozesswärme setzen die Unternehmen laut einer Analyse von Agora Energiewende vor allem auf Erdgas, dazu in geringeren Mengen auf Mineralöl. Angesichts der geopolitischen Verwerfungen der letzten Jahre ist das eine riskante Strategie – die zudem die Klimabilanz der Unternehmen stark belastet.

Gute Gründe, nach Alternativen zu suchen, die Betriebe unabhängiger von den globalen Energiemärkten machen und zugleich das Klima schonen! Der Markt bietet hier eine große Vielfalt praxiserprobter Lösungen für nahezu alle Bedarfe von Industrie und Gewerbe. Wichtigster Hebel ist die Elektrifizierung der Prozesswärme-Erzeugung, etwa mit Wärmepumpen, Elektrokesseln oder direktelekrischen Verfahren. Ebenso können je nach Anwendung aber auch Biomasse- und, perspektivisch, Wasserstoff-Kessel sinnvoll sein. 

Zwar sind die Investitionskosten beim Umstieg auf klimafreundliche Lösungen oft relativ hoch. Dafür geben sie den Betrieben Planungs- und Kostensicherheit: Sie schützen vor Preisexplosionen auf den Gas- und Ölmärkten, vor steigenden Notierungen im CO2-Zertifikatehandel und, bei Erdgas, vor höheren Netzentgelten. Damit stärken sie die Resilienz der Unternehmen deutlich. Anders als bei Raumwärme sind die Anforderungen der Betriebe bei der Prozesswärme sehr heterogen, etwa was das Temperaturniveau oder die Einbindung der Wärmeerzeugung in die vorhandene technische Infrastruktur betrifft. Drei Beispiele zeigen, auf welch vielfältige Weise sich die jeweiligen Bedarfe erfüllen lassen.

Trocknen: Hochtemperatur-Wärmepumpen sparen Energiekosten

Ob Papier oder Textilien, Medikamente oder Lebensmittel: Viele Produkte müssen getrocknet werden, bevor sie weiterverarbeitet oder ausgeliefert werden können. Das geschieht per Konvektion durch ein heißes Gas, über Strahlung oder über beheizte Flächen wie Walzen oder Blechen, die mit dem feuchten Werkstück in Kontakt gebracht werden. Die Trocknung erfolgt in der Regel bei Temperaturen zwischen 60 und 240 Grad. 

All diese Verfahren lassen sich bestens elektrifizieren. Für die Konvektionstrocknung bieten sich besonders Hochtemperatur-Wärmepumpen an: Sie können die im Prozess entstehende Abwärme als Wärmequelle nutzen, was sie sehr effizient macht. Die Anlagen liefern Temperaturen bis etwa 160 Grad. Auch für das Erhitzen von Flächen für die Kontakttrocknung eignen sich Hochtemperatur-Wärmepumpen gut. Eine Alternative sind direktelektrische Verfahren, bei denen die Walzen oder Bleche per Induktion oder Heizwiderständen erhitzt werden. Das Trocknen durch Strahlung erfolgt ohnehin elektrisch, etwa durch Infrarotstrahler oder Mikrowellen.

Bei der Konvektions- und der Kontakttrocknung können Betriebe anstelle von Erdgas auch Biogas oder Biomasse als Brennstoffe einsetzen. Grüner Wasserstoff ist dagegen erst in einigen Jahren eine Option, da er heute noch nicht in ausreichenden Mengen zur Verfügung steht. Güter wie Klärschlamm oder Holzhackschnitzel lassen sich zudem mit Sonnenwärme trocknen, entweder mit einer Solarthermie-Anlage oder direkt mit einer Gewächshauskonstruktion. Das kann auch in Schleswig-Holstein sinnvoll sein – schließlich ist die Sonneneinstrahlung hier ähnlich hoch wie in Nordrhein-Westfalen.

Erdgas wird teurer, Strom tendenziell günstiger

Ob Dampferzeugung, Umformen oder Trocknen: Die Beispiele zeigen, dass die Elektrifizierung in den meisten Fällen der beste Weg ist, um sich bei der Prozesswärme von Gas und Öl zu lösen. Gerade Wärmepumpen sind hier im Vorteil, weil sie besonders effizient sind. So nutzt etwa die Oemeta Chemische Werke GmbH aus Uetersen eine Wärmepumpe, um Grundprodukte durch die Zufuhr von Wärme flüssig zu halten. In dieser Case Study erfahren Sie mehr über dieses Projekt.

Wie wirtschaftlich der Umstieg von Erdgas auf Strom ist, hängt stark von den Investitionskosten sowie von der Entwicklung der Gaspreise ab. Ein weiterer wichtiger Faktor der Rentabilitätsrechnung sind die Stromkosten. Im Gegensatz zu Erdgas werden die Preise mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien für Industrie und Gewerbebetriebe (ausgenommen energieintensive Industrien) mittelfristig deutlich sinken, wie eine Studie des Forschungsverbunds Ariadne zeigt. Besonders im Vorteil sind dabei Unternehmen mit einer Photovoltaik-Anlage: Scheint die Sonne, können sie mit ihrem Solarstrom noch einmal kostengünstiger Prozesswärme erzeugen als mit Strom aus dem Netz. In unserem White Paper „Strom vom Werksdach“ finden Sie mehr Informationen darüber, wie Betriebe Photovoltaik einsetzen können.

Die Elektrifizierung gibt den Unternehmen zudem die Möglichkeit, die damit verbundenen Flexibilitäten am Strommarkt einzusetzen. So können sie mit einem dynamischen Stromtarif gezielt dann Prozesswärme erzeugen, wenn der Preis gerade niedrig ist. Mit einem Wärmespeicher ist das auch dann sinnvoll, wenn sie gerade nicht benötigt wird. Mehr dazu erfahren Sie in unserem White Paper „Wärme auf Vorrat“. Zudem können die Betriebe ihre Flexibilitäten auch am Regelenergie-Markt anbieten.

Optimierung der Prozesswärme-Erzeugung in jedem Fall sinnvoll

Der Wechsel von Gas oder Öl auf Strom, Bioenergie oder Wasserstoff ist eine komplexe Aufgabe. Betriebe sollten bei diesem Prozess daher von Beginn an externe Expertinnen und Experten hinzuziehen. Sie prüfen, ob der Umstieg technisch machbar und wirtschaftlich sinnvoll ist, helfen bei der Auswahl der Technologie und begleiten deren Implementierung. 

Was aber, wenn die Fachleute feststellen, dass ein Wechsel nicht ratsam ist? Dann sollten die Betriebe sie beauftragen, die bestehende Prozesswärme-Infrastruktur zu optimieren. Hier gibt es viele Ansatzpunkte: etwa das Anpassen von Temperatur, Druck und Durchfluss bei der Dampferzeugung, die Steigerung des feuerungstechnischen Wirkungsgrades durch Abwärmenutzung in der Umformtechnik oder die Verringerung von Wärmeverlusten bei der Trocknung. So lassen sich Energiekosten und Emissionen schnell und einfach reduzieren – wenn auch nur in begrenztem Maße. Wirklich zukunftssicher wird die Prozesswärme-Erzeugung erst, wenn sich Betriebe mit klimafreundlichen Konzepten aus der Abhängigkeit von fossilen Energien lösen.

So fördert der Staat klimafreundliche Lösungen für Prozesswärme

Wer seine Prozesswärme dekarbonisieren will, profitiert vom Förderprogramm „Energie- und Ressourceneffizienz in der Wirtschaft“ (EEW) sehr. Im Modul 2 des EEW („Prozesswärme aus Erneuerbaren Energien“) fördert der Bund unter anderem Wärmepumpen, Anlagen zur Biomasse-Feuerung und Solarthermieanlagen. Bedingung ist, dass die erzeugte Wärme zu mindestens 50 Prozent für Produktionsprozesse eingesetzt wird. Bei kleinen Unternehmen übernimmt der Staat 60 Prozent der förderfähigen Kosten, bei Mittelständlern 50 Prozent. Alternativ können Betriebe in manchen Fällen auch Mittel aus dem Modul 4 des EEW („Energie- und ressourcenbezogene Optimierung von Anlagen und Prozessen“) in Anspruch nehmen.

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Fachartikel "Prozesswärme"

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Micha Heinrichs, Projektmanager Klimaneutrales Wirtschaften
Micha Heinrichs
Projektmanager Klimaneutrales Wirtschaften SH / Fachberatungsstelle Abwärmenutzung
Beratungsschwerpunkte: Maschinenbau, Abwärmetechnik
Telefon: +49 431 66 66 6 - 562
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