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Wärmepumpen: So heizen KMU grün und günstig

Wie Industrie- und Gewerbebetriebe mit thermischen Speichern Energie und Emissionen sparen

Wärmepumpen eignen sich nur für Wohnhäuser? Von wegen: Auch in vielen Industrie- und Gewerbebauten arbeiten sie sehr effizient – selbst dann, wenn dort Heizkörper oder Hallenheizungen installiert sind. Voraussetzung dafür ist eine sorgfältige Planung.

Das Wichtigste im Überblick:

Wärmepumpen können Industrie- und Gewerbebauten effizient mit Heizwärme und Warmwasser versorgen. Eine energetische Sanierung oder der Einbau einer Flächenheizung ist dafür meist nicht notwendig. Über die Lebensdauer der Anlagen betrachtet sind sie weit wirtschaftlicher als Gasheizungen. Worauf sollten KMU achten, wenn sie eine Wärmepumpe installieren wollen? 

Effizienter Betrieb: Am effizientesten arbeiten Wärmepumpen, wenn eine Flächenheizung die Wärme in die Räume überträgt. Doch auch mit Heizkörpern kommen die Anlagen meist gut zurecht. Im Einzelfall kann es notwendig sein, kleine Heizkörper durch solche mit größerer Oberfläche zu ersetzen. Hallenheizungen nutzen dagegen Luft als Wärmeüberträger. Hier sind Luft-Luft-Wärmepumpe oft eine gute Lösung.
Abwärme nutzen: Die meisten Wärmepumpen nutzen die Außenluft als Wärmequelle, andere auch den Erdboden. Noch effizienter ist es, wenn ein Betrieb Abwärme aus seinen Produktionsprozessen als Wärmequelle einsetzen kann.
Wirtschaftlichkeit: Trotz der höheren Investitionskosten sind Wärmepumpen den Gasheizungen wegen der weit niedrigeren Betriebskosten wirtschaftlich meist überlegen. Zudem geben sie den Unternehmen Kostensicherheit – steigende CO2-Preise und Gas-Netzentgelte betreffen sie damit nicht mehr.
Sorgfältig planen: Für Industrie- und Gewerbebauten gibt es bei Wärmepumpen keine Standardlösungen. Um einen effizienten Betrieb zu gewährleisten, ist eine sorgfältige Planung unerlässlich. Unternehmen sollten diese Aufgabe einem fachkundigen Partner übertragen.
Fördermittel: Der Staat bezuschusst Industrie- und Gewerbebetriebe mit bis zu 35 Prozent der förderfähigen Kosten einer Wärmepumpe.

Das vergangene Jahr markiert einen Wendepunkt: Die Heiztechnik-Hersteller haben 2025 erstmals mehr Wärmepumpen als Gaskessel verkauft. In Wohnhäusern sind die klimafreundlichen Anlagen heute Standard. Doch auch für Industrie- und Gewerbegebäude sind sie oft die beste Wahl. Sie eignen sich für Bürobauten ebenso wie für Produktionshallen, Werkstätten oder Lager – nicht nur im Neubau, sondern auch in bestehenden Objekten.

Dabei ist es in der Regel nicht notwendig, Bestandsgebäude zuvor zu dämmen oder gar eine Fußbodenheizung einzubauen. Eine fachkundige Planung vorausgesetzt, arbeiten Wärmepumpen auch in vielen älteren Industrie- und Gewerbeimmobilien mit energetisch mäßiger Gebäudehülle und Heizkörpern effizient. Gegenüber Gasheizungen haben sie zudem den Vorteil, die Räume im Sommerhalbjahr kühlen zu können. So schaffen Wärmepumpen ein Raumklima, das die Mitarbeitenden auch an heißen Tagen als angenehm empfinden.

Von den vergleichsweise hohen Investitionskosten einer Wärmepumpe sollten sich Unternehmen dabei nicht schrecken lassen. Denn dank niedriger Betriebskosten ist die Technologie mittelfristig meist deutlich wirtschaftlicher als eine Gasheizung. Zudem gewinnen die Betriebe Kostensicherheit, weil sie sich so unabhängig von den Entwicklungen auf den internationalen Gasmärkten sowie im CO2-Zertifikathandel und bei den Gas-Netzentgelten machen. Damit sind die Anlagen nicht nur in ökologischer, sondern auch in ökonomischer Hinsicht ein zukunftssicheres Investment.

Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) lässt bei der Modernisierung einer Heizung künftig nur noch Anlagen zu, die zu mindestens 65 Prozent erneuerbare Energien nutzen. Wärmepumpen erfüllen diese Vorgabe. In Städten mit mehr als 100.000 Einwohnern gilt die Pflicht spätestens ab dem 30. Juni 2026, in kleineren Städten spätestens ab dem 30. Juni 2028. Wenn die Kommunen vor diesen Stichtagen einen Wärmeplan vorlegen, greift die Vorgabe entsprechend früher. Für Neubauten gilt die 65-Prozent-Quote unter gewissen Voraussetzungen bereits seit dem 1. Januar 2024.

Schritt für Schritt zu einer Wärmepumpe

Sie wollen in Ihrem Gebäude eine Gasheizung durch eine Luft-Wasser-Wärmepumpe ersetzen? Dieser Fahrplan gibt Auskunft über die einzelnen Schritte:

  1. Den Auftakt macht eine Bestandsaufnahme: Eignet sich das Objekt überhaupt für eine Wärmepumpe? Das lässt sich etwa mit einem Check der Heizflächen und der Gebäudehülle herausfinden. In diesem Zuge muss auch geprüft werden, welche Vorlauftemperatur im Heizkreislauf nötig ist und ob der Stromanschluss für eine Wärmepumpe ausreicht.
  2. Kommt der technische Check zu einem positiven Ergebnis, erfolgt eine Wirtschaftlichkeitsrechnung. Dabei werden auch Förderangebote berücksichtigt.
  3. Ist die Wirtschaftlichkeit gegeben, konzipiert ein Fachbetrieb  die neue Anlage. Dazu gehört unter anderem, die Wärmepumpe mithilfe einer Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 zu dimensionieren. Bei der Anlagenplanung gilt es, auch den Kühlbedarf zu berücksichtigen.
  4. Vor der Erteilung des Installationsauftrags stellt der Kunde oder der Fachbetrieb bei der KfW den Förderantrag.
  5. Hat die Wärmepumpe eine Leistung von mehr als zwölf Kilowatt, ist eine Genehmigung des örtlichen Netzbetreibers nötig. Kleine Anlagen müssen dort lediglich angemeldet werden.
  6. Falls nötig, werden vor dem Einbau der Wärmepumpe einzelne Heizkörper durch solche mit größerer Oberfläche ausgetauscht.
  7. Anschließend erfolgt der hydraulische Abgleich des Heizungssystem.
  8. Dann baut der Fachbetrieb die Gasheizung aus, legt den Gasanschluss still und installiert die Wärmepumpe.
  9. Mit dem Wechsel zu einer Wärmepumpe bietet es sich an zu prüfen, ob eine Photovoltaik-Anlage installiert werden kann.
  10. Nach Inbetriebnahme sollten die zentralen Parameter der Anlage, allen voran die Wärmeerzeugung und der Stromverbrauch, laufend überwacht werden. Zudem ist es sinnvoll, nach der ersten Heizperiode eine Feinjustierung vorzunehmen, etwa mit der Optimierung der Heizkurven. 

Bei allen Prüf- und Planungsschritten sollten Betriebe Fachplaner oder ein TGA-Büro einbeziehen. Die Aufgaben sind anspruchsvoll, die Materie ist komplex – externer Sachverstand und Erfahrung sind hier sehr von Vorteil. Wer Fördermittel des Bundes nutzen will, muss ohnehin einen zertifizierten Energieeffizienzexperten hinzuziehen.

Wärmepumpen oft auch für Prozesswärme sinnvoll

Wärmepumpen liefern nicht nur Heizwärme und Warmwasser und übernehmen die Klimatisierung, sondern können auch Industrie und Gewerbe mit grüner Prozesswärme versorgen. Dafür ist jedoch ein anderes Anlagenkonzept nötig, unter anderem weil Prozesswärme in der Regel höhere Temperaturen verlangt. 

Eine Wärmepumpe für die Heizung kann dafür ein guter Einstieg sein: Unternehmen sammeln Erfahrung mit Planung, Installation und Betrieb solcher Anlagen – und können auf dieser Grundlage fundiert entscheiden, ob sie eine Wärmepumpe für Prozesswärme einsetzen wollen.

So fördert der Staat Betriebe beim Umstieg auf eine Wärmepumpe

Industrie- und Gewerbebetriebe können für bestehende Nichtwohngebäude im Rahmen der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) den KfW-Zuschuss 522 beanspruchen. Dabei übernimmt der Staat in der Grundförderung 30 Prozent der förderfähigen Kosten. Ein Bonus von fünf Prozent kommt hinzu, wenn die Wärmepumpe ein natürliches Kältemittel wie Propan (R290) enthält oder das Erdreich, Grund- oder Abwasser als Wärmequelle nutzt. Die Höhe der förderfähigen Kosten hängt von der Nettogrundfläche des Gebäudes ab. Zusätzlich zum Zuschuss können Betriebe einen zinsgünstigen Ergänzungskredit beantragen (KfW-Kredit 523).

Schleswig-Holstein fördert über das Landesprogramm Wirtschaft 2021-2027 – Nachhaltige Wärmeversorgungssysteme den Neu- und Ausbau von Wärme- und Kältenetzen, sofern dort erneuerbare Energien eingesetzt werden – etwa mithilfe von Wärmepumpen.

Sie haben Fragen zum klimaneutralen Wirtschaften? Nehmen Sie gern Kontakt auf.

Micha Heinrichs, Projektmanager Klimaneutrales Wirtschaften
Micha Heinrichs
Projektmanager Klimaneutrales Wirtschaften SH
Beratungsschwerpunkte: Maschinenbau, Abwärmetechnik
Telefon: +49 431 66 66 6 - 562
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