Smart Meter
So ziehen Betriebe aus ihren intelligenten Messsystemen maximalen Nutzen
Fast alle kleinen und mittelständischen Unternehmen erhalten in den nächsten Jahren Smart Meter. Die intelligenten Messsysteme erfassen den Stromverbrauch engmaschig. Ergänzende Steuer- und Regeltechnik macht es möglich, die gewonnenen Daten produktiv zu nutzen – etwa um Stromkosten zu sparen oder Geld am Strommarkt zu verdienen. Betriebe sollten sich frühzeitig damit beschäftigen, wie sie ihre Smart-Meter-Daten verwerten können.
Das Wichtigste im Überblick:
Bis 2032 erhalten alle kleinen und mittelständischen Unternehmen mit einem jährlichen Stromverbrauch zwischen 6.000 und 100.000 Kilowattstunden einen Smart Meter. Eine Chance für die Betriebe: Die intelligenten Messsysteme bieten viele Möglichkeiten, die Stromkosten zu senken.
Technologie: Smart Meter messen den Stromverbrauch im Viertelstundentakt und übertragen die Daten automatisch an den Messstellen- und den Netzbetreiber.
Umsetzung: Die jeweils vor Ort zuständigen Messstellenbetreiber statten die Betriebe in den nächsten Jahren nach und nach mit Smart Metern aus. Unternehmen können die Installation aber auch selbst in Auftrag geben, wenn sie nicht warten wollen, bis der Messstellenbetreiber auf sie zukommt.
Kosten: Der Einbau ist für die Kunden kostenlos, sofern er auf Initiative des Messstellenbetreibers erfolgt. Die jährlichen Betriebskosten richten sich nach dem Stromverbrauch. Die Spanne reicht von 40 bis 140 Euro.
Nutzen: Betriebe können mit Smart Metern ihre Stromkosten senken – zum Beispiel indem sie damit ihre Verbräuche transparent machen, dynamische Stromtarife und zeitvariable Netzentgelte nutzen oder den Eigenverbrauch ihres Solarstroms erhöhen. Zudem liefern Smart Meter die nötigen Daten für ein unternehmensweites Energie- oder Umweltmanagementsystem.
Steuerung: Um maximalen Gewinn aus den Smart-Meter-Daten zu ziehen, ist zusätzlich Steuer- und Regeltechnik nötig, die den Stromverbrauch optimieren. So sorgen die Lösungen zum Beispiel dafür, dass stromintensive Prozesse in die Stunden verlagert werden, in denen Strompreise und Netzentgelte niedrig sind.
Am 11. Mai 2025 kam es am Strommarkt zu einem Ereignis, das alles Gewohnte auf den Kopf stellte: Windenergie- und Photovoltaik-Anlagen erzeugten über Stunden hinweg so viel Energie, dass Unternehmen und Haushalte mit einem dynamischen Stromtarif für jede verbrauchte Kilowattstunde Geld bekamen. Denn bei diesem Tarifmodell folgt der Preis dem Auf und Ab an der Strombörse. Dort stürzen die Preise in den Keller, wenn sehr viel Strom ins Netz gespeist wird – mitunter gar in den negativen Bereich. Mit dem weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien kommt es immer öfter zu solchen Situationen. So lagen die Preise im ersten Halbjahr 2025 schon in 389 Stunden unter null Euro. Im Vorjahreszeitraum war das nur in 215 Stunden der Fall.
Mit einem dynamischen Tarif sparen Unternehmen viel Geld, wenn sie stromintensive Prozesse in Niedrigpreisphasen verlegen. Die Voraussetzung: Sie brauchen dafür ein intelligentes Messsystem (iMSys), auch Smart Meter genannt. Die Geräte bestehen aus einem digitalen Zähler, der engmaschig den Stromverbrauch erfasst, und einer Kommunikationseinheit namens Smart Meter Gateway, das die Daten übermittelt.
Die intelligenten Messsysteme lassen sich aber auch noch für viele anderen Aufgaben einsetzen. Betriebe können mit ihrer Hilfe zum Beispiel Stromfresser erkennen, zeitvariable Netzentgelte nutzen – und sogar am Strommarkt mitmischen, um dort Geld zu verdienen.
Flächendeckende Installation bis 2032
In Unternehmen mit einem Stromverbrauch von mehr als 100.000 Kilowattstunden pro Jahr sind Smart Meter, in diesen Fällen RLM-Zähler genannt, schon seit vielen Jahren Pflicht. Bis 2032 erhalten auch alle anderen Betriebe einen Smart Meter, wenn ihr Jahresverbrauch 6.000 Kilowattstunden übersteigt. Das geschieht automatisch: Das dafür zuständige Unternehmen, der lokale Messstellenbetreiber, kommt auf die Betriebe zu. Wer nicht darauf warten möchte, kann den Einbau selbst in Auftrag geben.
Smart Meter messen den Stromverbrauch in regelmäßigen kurzen Intervallen, meist im 15-Minuten-Takt, und übertragen die Daten per Funk, Powerline oder LAN/W-LAN an den Messstellen- und den Netzbetreiber. Ersterer leitet sie an den Versorger weiter.
Die digitale Datenübertragung vereinfacht den Versorgern die Abrechnung. Für die Kunden entsteht ein echter Mehrwert hingegen erst, wenn sie die Daten produktiv nutzen. Möglich machen das Soft- und Hardware-Lösungen, die heute in unterschiedlicher Komplexität verfügbar sind. Manche beschränken sich darauf, den Verbrauch zu visualisieren; andere sorgen für eine automatisierte, maximal wirtschaftliche Steuerung von Verbrauchs- und Erzeugungsanlagen. Die Lösungen beziehen die nötigen Daten in der Regel direkt vom Smart Meter.
So können Betriebe Smart Meter einsetzen
Wie können Unternehmen konkret Gewinn aus Smart Metern ziehen, über dynamische Stromtarife hinaus? Einige Beispiele:
Einsparpotenziale erkennen: Eine Visualisierung der Smart-Meter-Daten durch Apps oder Webportalen verrät den Betrieben, ob es im Betrieb Anlagen und Maschinen gibt, die übermäßig Strom verbrauchen. Ebenso werden Anomalien sichtbar, die auf Störungen hindeuten. Besonders groß ist der Nutzen, wenn Unternehmen für jede Anlage und Maschine eigene Messtechnik installieren, die mit dem Smart Meter kommuniziert. Manche Versorger und Messstellenbetreiber bieten die Visualisierung der Verbrauchsdaten ohne zusätzliche Kosten an.
Zeitvariable Netzentgelte nutzen: Hat ein Unternehmen steuerbare Wallboxen, Wärmepumpen oder Batteriespeicher installiert, kann es ein zeitvariables Netzentgelt-Modell in Anspruch nehmen. Dabei ist das Netzentgelt an vielen Stunden des Tages stark reduziert. Wer stromintensive Prozesse wie etwa das Laden von Elektroautos in diese Zeiten verlagert, spart dabei oft rund fünf bis zehn Cent pro Kilowattstunde. Wie bei dynamischen Stromtarifen ist dafür ein intelligentes Messsystem nötig.
Lastspitzen kappen: Smart Meter helfen Unternehmen, Lastspitzen zu antizipieren – und, im Verbund mit einer Steuerlösung, durch das Verschieben stromintensiver Prozesse zu vermeiden. Da sich die Höhe der Netzentgelte unter anderem nach der maximal bezogenen Leistung richtet, können Betriebe ihre Stromkosten auf diese Weise erheblich reduzieren. Dabei helfen auch Batteriespeicher, die bei der Steuerung berücksichtigt werden. Lesen Sie in unserem Fachartikel, wie Batterien zum Kappen von Lastspitzen beitragen können.
Eigenverbrauch erhöhen: Smart Meter erfassen nicht nur den Verbrauch, sondern die Erzeugung, beispielsweise einer Photovoltaik-Anlage auf dem Werksdach. Aus diesen Daten leiten Steuersysteme, unterstützt durch Wetterprognosen, Fahrpläne für Anlagen und Maschinen ab. Sie sind darauf ausgerichtet, möglichst viel vom Solarstrom im Betrieb zu verbrauchen. So sorgen die Systeme zum Beispiel dafür, dass elektromotorisch betriebene Maschinen mit steuerbarer Laufzeit wie etwa Kompressoren oder Pumpen gezielt dann laufen, wenn die Photovoltaik-Anlage ihre höchste Leistung erreicht. Auch das Laden von E-Fahrzeugen lässt sich so automatisiert in diese Stunden verschieben.
Am Strommarkt teilnehmen: Viele Unternehmen sind in der Lage, ihren Stromverbrauch variabel zu gestalten, indem sie Prozesse verschieben. Das gibt ihnen die Möglichkeit, am Strommarkt Geld zu verdienen – etwa mit der Bereitstellung von Regelenergie, mit der die Netzbetreiber die Frequenz im Leitungssystem stabil halten. Haben Betriebe einen Batteriespeicher installiert, können sie zudem Arbitrage-Geschäfte machen, indem sie bei niedrigen Börsenpreisen Strom aus dem Netz laden und ihn bei hohen Preisen wieder dorthin entladen. Beide Geschäftsmodelle verlangen einen Smart Meter sowie ein Steuersystem.
Energiemanagementsysteme einrichten: Mit einem Energie- oder Umweltmanagementsystem, kurz EMS oder UMS, können Betriebe ihre Energieeffizienz systematisch steigern und ihre Energiekosten nachhaltig reduzieren. Die dafür nötigen detaillierten Daten zu Verbrauch und Erzeugung liefern Smart Meter. In diesem Fachartikel erfahren Sie, wie kleine und mittelständische Betriebe ein EMS oder UMS implementieren und nutzen können.
Jährliche Betriebskosten zwischen 40 und 150 Euro
Der Funktionsumfang der verfügbaren Smart-Meter-Modelle unterscheidet sich nicht wesentlich. Welches Gerät ein Betrieb erhält, entscheidet in der Regel der zuständige Messstellenbetreiber, oft das örtliche Stadtwerk. Der Betreiber kümmert sich auch um den Einbau und die Inbetriebnahme des Smart Meter. Die Installation ist kostenlos, sofern der Smart Meter auf Initiative des Messstellenbetreibers eingebaut wird („Pflichteinbau“).
Die Betriebskosten des Smart Meter hängen vom Stromverbrauch ab: Bei einem Verbrauch von 6.000 bis 10.000 Kilowattstunden sind sie bei 40 Euro brutto pro Jahr gedeckelt, bis 20.000 Kilowattstunden bei 50 Euro, bis 50.000 Kilowattstunden bei 110 Euro und bis 100.000 Kilowattstunden bei 140 Euro.
Möchte ein Betrieb nicht warten, bis er mit der Installation an der Reihe ist, kann er beim Messstellenbetreiber den vorzeitigen Einbau beantragen. Dieser ist verpflichtet, dem Wunsch innerhalb von vier Monaten nachzukommen, sofern dem keine technischen Gründe entgegenstehen. Dafür dürfen die Unternehmen maximal 100 Euro in Rechnung stellen. Für die Betriebskosten gelten die gleichen Preisobergrenzen wie beim Pflichteinbau.
Beim freiwilligen Einbau haben Betriebe zudem die Möglichkeit, anstelle des vor Ort zuständigen Messstellenbetreibers einen anderen Anbieter zu beauftragen. Die gesetzlichen Preisobergrenzen für den Einbau und den Betrieb des Smart Meter gelten dann allerdings nicht.
Chancen von Smart Metern frühzeitig erkennen
Von intelligenten Messsystemen profitieren Betriebe erst, wenn sie zusätzliche Soft- und Hardware-Lösungen einsetzen, mit denen sie die Daten produktiv nutzen können. Was diese Produkte kosten, lässt sich nicht pauschal angeben. Klar ist aber: Die Investitionen machen sich meist schnell bezahlt, wenn Unternehmen Verbräuche verschieben können – etwa um von dynamischen Stromtarifen und zeitvariablen Netzentgelten zu profitieren oder um mehr selbst erzeugten Solarstrom zu verbrauchen.
Einen Eindruck vom wirtschaftlichen Potenzial gibt die Peter Bade GmbH aus Neumünster, ein Unternehmen aus dem Bereich Lebensmitteltransporte und Kühllogistik: Der Betrieb speist Smart-Meter-Daten in eine Energiemanagement-Plattform, die intelligente Fahrpläne für die Kältemaschine, die Wärmepumpe und andere Verbraucher erstellt. Damit konnte die Peter Bade GmbH ihren Strom-Arbeitspreis im ersten Quartal 2024 um gut 15 Prozent senken. Zudem ging der Stromverbrauch um mehr als elf Prozent zurück.
Mit dem Pflichteinbau bis 2032 erhalten alle Unternehmen mit einem jährlichen Stromverbrauch von bis zu 100.000 Kilowattstunden in den kommenden Jahren automatisch einen Smart Meter. Meist lohnt es jedoch, sich schon vorher damit zu beschäftigen, wie sich die gewonnenen Daten verwerten lassen. So können Betriebe frühzeitig die Chancen nutzen, die ihnen die intelligenten Messsysteme eröffnen!
Förderprogramme
Mit den Preisobergrenzen für den Betrieb der Smart Meter sowie die Gratis-Installation beim Pflichteinbau sorgt der Bund dafür, dass Unternehmen durch die intelligenten Messsysteme finanziell kaum belastet werden.
Investitionen in ergänzende Visualisierungs- und Steuerungslösungen unterstützt das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) mit dem Programm „Bundesförderung für Energie- und Ressourceneffizienz in der Wirtschaft“ (EEW) – konkret mit dessen Modul 3 „MSR, Sensorik und Energiemanagement-Software“. Bei Mittelständlern übernimmt der Staat bis zu 35 Prozent der förderfähigen Kosten, bei kleinen Unternehmen bis zu 45 Prozent.
Alternativ zur BAFA-Förderung im EEW-Programm können Betriebe bei der KfW-Bank einen zinsgünstigen Kredit mit Tilgungszuschuss in Anspruch nehmen. Die Höhe des Tilgungszuschusses entspricht der BAFA-Förderung.
Der Artikel steht hier zum Download bereit.
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